Mittwoch, 22. Dezember 2010

Wintersonnenwende


Mutter Erde hat in dunkler Nacht ihr goldnes Kind zur Welt gebracht.


Sonnenwende, komm und ende
alles Dunkel, mach uns frei!
Wende ab den Schlaf der Satten,
wende ab den Tod der Schatten,
wende ab die Nacht der Träume,
sende Licht in alle Räume!

Karl Schüler


Der Abend kommt von weit gegangen
durch den verschneiten leisen Tann.
Dann preßt er seine Winterwangen
an alle Fenster lauschend an.
Und stille wird ein jedes Haus;
Die Alten in den Sesseln sinnen,
die Mütter sind wie Königinnen,
die Kinder wollen nicht beginnen
mit ihrem Spiel. Die Mägde spinnen
nicht mehr. Der Abend horcht nach innen,
nur innen horchen sie hinaus.

R.M. Rilke

Sonntag, 12. Dezember 2010

Stürmische See

Hallo ihr Lieben!

Wie einige von euch wissen, bin ich dieses Wochenende an der Ostsee bei meiner Familie, hauptsächlich um meine Tante zu sehen, die aus der Reha-Klinik auf Heimaturlaub durfte. Jetzt sitze ich gerade auf der Couch im Wintergarten, habe ein paar Minuten Zeit für mich & sinniere so über den heutigen Tag.

Den Vormittag habe ich genutzt, um mich trotz eisigem Wind & dick eingepackt, ans Meer zu wagen.
Und es hat sich mehr als gelohnt! Der winterliche Schnee-Sturm brauste mir ins Gesicht, die Wellen türmten sich zu gewaltigen Bergen die sich mit lautem Grollen am Strand brachen & dabei Unmengen von salziger Gischt verspritzten. Kein Mensch weit & breit! Über mir schrien die Raubmöven & ich konnte die Göttin mehr als spüren.


Diese halbe Stunde Auszeit habe ich wirklich mehr als gebraucht, um nach den letzten Wochen meine Energiereserven wieder ein wenig aufzutanken, mich selbst wieder zu spüren & den klaren Blick für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens wieder zu finden!


Aber versucht mal mit zittrigen Fingern im kalten Dezemberwind die Räucherkohle zu entzünden - Das dauert nicht nur gefühlte Ewigkeiten, sondern gibt auch ordentliche Brandblasen! ;-)

Alles Liebe... WaldDrud

Montag, 6. Dezember 2010

Wenn es nur einmal so ganz stille wäre
 
Wenn es nur einmal so ganz stille wäre.
Wenn das Zufällige und Ungefähre
verstummte und das nachbarliche Lachen,
wenn das Geräusch, das meine Sinne machen,
mich nicht so sehr verhinderte am Wachen -:

Dann könnte ich in einem tausendfachen
Gedanken bis an deinen Rand dich denken

und dich besitzen (nur ein Lächeln lang),
um dich an alles Leben zu verschenken
wie einen Dank.

Rainer Maria Rilke